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Es gibt Schuhe, die müssen flach sein. Flach wie Knäckebrot. Denn genauso wie das Ersatzbrot erfüllen sie bloß einen Zweck. Ist Knäckebrot nur ein trauriger Abklatsch eines frisch gebackenen, flaumigen, duftenden Brotlaibes, sind flache Schuhe die prosaische Reduktion von Fußbekleidung auf das Wesentliche.
In der Theorie: praktisch, trittsicher, mit Haftprofil versehen, wasserfest. In der Praxis: Gummistiefel, Flip Flops (*), Turnschuhe, Birkenstocks. Brav verrichten sie ihren Zweck, servil klammern sie sich an den zu bedienenden Fuß, unbeachtet stehen sie nach Gebrauch im Schmollwinkerl.
Ein guter Schuh trägt Absatz. Hebt seine Trägerin aus der trampulösen Masse heraus. Macht aus Durchschnittsgrößen Über-die-Menge-Blicker. Ohne jetzt in klischeehaft-hysterisches "Manolo"-Geplärre zu verfallen, darf der mentale Effekt von diesen paar Zentimetern Höhenunterschied auf die menschliche Psyche nicht unterschätzt werden. Verlässlich liefern sie kleinen bis mittelgroßen Frauen die tägliche unverzichtbare Diva-Dosis, die eine standesgemäße Fortbewegung in unwürdiger Umgebung (U-Bahn, Supermarkt, "draußen") erst möglich macht.
Wer behauptet, sich auf flachen Sohlen grazil fortbewegen zu können, belügt sich selbst oder übt heimlich zu Hause vor dem Spiegel. Und erzähl mir keiner von der fehlenden Standfestigkeit. Ich falle mit Turnschuhen leichter um als mit den gewohnten Keil-, Spitz- oder Trapezabsätzen.
Apropos Keilspitztrapez: Absatzform und -höhe spielen selbstredend eine wesentliche Rolle, wobei sich als persönliche Lieblinge kitten heels (auf deutsch weniger charmant "Pfennigabsatz", der Todfeind aller Holzböden), abgeschrägte Cowboystiefel und die knautschig verbogenen Achtziger-Modelle herauskristallisiert haben.
Auf immer und ewig jagen kann man mich hingegen mit "modischen" Plateausohlen (im Gegensatz zu den wunderbaren und seither unerreichten 40s-Vintage-Versionen), mit Fleischklopferabsätzen an viereckigen Schuhen und den so genannten "Ildefonso"-Absätzen, jenen würdelosen Machwerken billiger italienischer Fabriken, die wie das gleichnamige Konfekt beige-braun geschichtet sind.
Eine kleine persönliche Schwäche für - flache - Bikerboots und Doc Martens kann allerdings sofort hinwegargumentiert werden: Strahlen erstere das klassische "Don't even think about it"-Feeling aus, hab ich in zweiteren die schwierigen Jahre meiner Adoleszenz verbracht. Das verbindet lebenslänglich.
(*) Schuhdesigner Sigerson Morrison hat das kapitale Stilverbrechen "Flip Flop mit Absatz" (Sommer 2003) auf dem Gewissen und verdient dafür lebenslanges Barfußgehen auf spitzen Steinen.
by Claudine
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